Die Macht der Information

Wir reden immer so viel über Meinungs- und Pressefreiheit. Ich halte dieses Gut auch für das wichtigste in einer lebendigen und sich wandelnden Demokratie. Die Realität ist aber nunmal auch die, dass es immer noch viele Länder gibt, in denen Menschen – und nicht nur Journalisten/innen –  ihr Leben riskieren, wenn sie auch nur ein Ereignis vermelden. Im Südsudan hat mir ein Journalist erzählt, dass eine Ministerin mit Soldaten zum Interview im Radiosender erschien. Im Studio gab sie ihm den Zettel mit den Fragen, der Soldat stand hinter ihr. Er kann nichts machen. Bei einem Interview im Angesicht einer Waffe, kann er nichts ändern.

Aber es geht hier gar nicht unbedingt um die kritische Frage. Wir unterschätzen die Macht der Bevölkerung und die Macht der Information. Ich bin überzeugt, dass es hier gar nicht nur um arme Länder geht. Bei uns ist das nicht anders. Wir füllen Allgemeinplätze mit Standardphrasen über politische Ereignisse oder Entwicklungen. Wenn wir einmal über fairen Handel berichtet haben oder Gesundheitstipps bei Rückenproblemen gegeben haben, glauben wir schon an eine bessere Welt. Aber es bringt nichts, wenn wir die Situation rund um Rosen aus Afrika darstellen, ohne die Information darüber für Veränderungen zu nutzen. Wir kritisieren das Vorgehen: Landnahme, Ausbeutung, Wasserverschwendung, politische Ingoranz. Stattdessen sollten wir die Verbraucher ansprechen: Solange wir an der Discounterkasse Rosen für 1,99 kaufen, wird sich an der Rosensituation nichts ändern. Konsumentendemokratie hat mehr Macht als offene Kritik.

In armen Ländern kann dieser Zusammenhang einen erheblichen Zusammenhang auf die Entwicklung der Menschen und damit ihrer politischen Meinungsbildung haben. So kann durch die Macht von Information mehr für Menschenrechte und Demokratisierung getan werden, als durch blindes kritisieren im Sinne der Pressefreiheit. Wir nutzen die Pressefreiheit, um Lebensbedingungen aus eigener Kraft zu verbessern und eine Perspektive für das Leben aufzubauen. Im Südsudan habe ich das gesehen. Freie Presse ist hier ein Fremdwort. Journalisten sitzen in Haft, wer kritisiert droht sich selber in Gefahr zu bringen. Also haben wir mit den Menschen gearbeitet. Das Radio informiert und motiviert zur Eigeninitiative. Bei WASH: Anleitungen zum richtigen Bau von Toiletten. Bessere oder neue Anbaumethoden. Gesundheitsthemen wie Impfungen, Schwangerenversorgung, HIV/Aids, in Bildungsthemen oder bei Gleichberechtigung, SGBV und Kinderrechte werden diskutiert, aufgeklärt und Handlungsbeispiele gegeben. Was passiert ist beeindrucken. Die Zahl der Impfungen nimmt zu. Oder die Menschen fangen an, Toiletten zu graben. Es gibt dadurch deutlich weniger offenen Stuhlgang, dadurch weniger Krankheiten, mehr Zeit auf den Feldern zu arbeiten, mehr zu Essen und schließlich glückliche Menschen, die wieder eine Zukunft sehen. Die Veränderung ist immens: Die Lebensbedingungen verbessern sich und die Menschen bilden sich eine Meinung und artikulieren die auch.

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