Interaktiv nach Afrika: „Simon in Ruanda“

Ich habe viele Afrikabücher gelesen. Für Kinder und Erwachsene. Sachbücher, Romane und Kinderbücher. Und die meisten Kinderbücher auf dem Gebiet der Fiktion sind schockierend schlecht, latent rassistisch, zumindest aber voller Stereotypen. Da ist Afrika ein Land und kein Kontinent. Afrikanische Frauen sind dick. Alles ist kaputt und nichts funktioniert. Überhaupt scheint es in Afrika nur um Tiere zu gehen. Die Menschen sind per se „anders“. Ihr Tun wird meist an deutschen Werten gemessen. Als wir 2012 mit unseren Kindern nach Ruanda ausgereist sind waren sie 3 und 5 Jahre alt. Wir wollten sie auch mit Büchern auf die Zeit in Afrika vorbereiten.

Leider hat uns das der Buchmarkt recht schwer gemacht. So kamen wir in Ruanda an und erlebte eine Überraschung: Unsere Kinder gingen völlig vorbehaltlos auf die Menschen und die neue Umgebung zu. Sie saugen Kultur und Alltag auf und empfinden gar nichts „anders“. Erwachsene nehmen Kinder mit Ängsten mit. Aber das müssen sie nicht.
Und so entstand schließlich die Idee für „Simon in Ruanda“. Eine interkulturelle Begegnung in Ruanda und nicht Afrika. Erzählt von einem deutschen Jungen, der mit seinen Eltern dorthin zieht. Und wie erlebt ein deutscher Junge Ruanda? Wertneutral. Mit offenen Augen.

Gespannt und aufmerksam. Er kommt vorbehaltlos nach Ruanda, einem Land auf einem Kontinent, der Afrika heißt. „Simon in Ruanda“ ist eine Bilderbuchserie für 4-6 jährige, die Kindern in Deutschland ermöglichen will, mit eigenen Augen Afrika kennenzulernen. Die Menschen dort so zu erleben, wie sie ihren Alltag erleben. Ganz so, als wären sie mit Simon zusammen da. Die Kinder können fragen, denken, sich eine eigene Meinung bilden.

Aber anscheinend verkaufen sich nur solche Bücher. Denn kein Verlag und kein Agent wollte sich auf Simon einlassen.
So mussten wir uns selber durchkämpfen und haben es geschafft. Dank des Durchhaltewillens der Illustratorin Viktoria Blomén wurde das erste Buch fertig und wir sind in den Selbstverlag bei Books on demand gegangen. Mittlerweile gibt es drei Bände: Simon in Ruanda – Die Abreise, Simon in Ruanda – Der Plastiktütenfußball, Simon in Ruanda – Ein Freund für Simon, Simon in Ruanda – Der Sammelband und ein Hörbuch. Wir haben „Simon in Ruanda“ auf Deutsch, Englisch und Französisch veröffentlicht. Es gibt ebooks und sogar ein interaktives ebook.
Es bereitet viel Freude zu sehen, wie „Simon in Ruanda“ einen anderen Blick ermöglicht. Auf Lesungen in Schulen habe ich das immer wieder erlebt. Die Kinder fragen plötzlich ganz neue Fragen.

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