Medienentwicklung: Anspruch und Realität im Mobile Reporting

Schauen wir mal auf das Mobile Reporting. Es hat ungeahnte Popularität in der Medienentwicklung erlangt. Die Journalisten sind mit einem Gerät alleine voll ausgestattet. Mit dem Smartphone sind alle Arbeitsschritte abgedeckt: Aufzeichnung, Schnitt, mp3-Export. Durch die Vielzahl an Messenger lassen sich viele Arbeitsschritte ungeahnt einfach erledigen: Interviews aufzeichnen, Aufsager, Umfragen, Atmo,…. Die Mikrofone der Telefone zeichnen auch meist sendbare Qualität auf und mindern die Gefahr, übersteuerte Töne zu liefern. Vergessen die Reporter bei mp3-Rekordern zu leveln, ist die Tonqualität oft schlecht und meist übersteuert. Mit dem Smartphone ist das nicht so.

Kein Strom, kein mobiles Internet: in Flüchtlingslagern kann mobile reporting schnell an Grenzen stoßen.

Und mobile reporting ist auch sicherer. Ein Handy hat so ziemlich jeder dabei. Rücken Reporter hingegen mit Rekorder, Rechner und Surfstick an, sind sie in sensiblen Umgebungen auffälliger. Mit dem Smartphone können sie außerdem Fotos machen.

Aber wir müssen uns auf eine bessere Marktanalyse zurückbesinnen. In welcher Umgebung kommt das Smartphone zum Einsatz und wie werden die zwingend erforderlichen Internetbundles finanziert. Die Reporter mit dem Wissen und eventuell auch dem Smartphone alleine zu lassen bringt nichts. Mit meiner Erfahrung aus Afrika finde ich, dass der Kontinent mittlerweile eine bessere Mobilfunkabedeckung hat als manche Teile Deutschlands. Aber in manchen Situationen bringt das Smartphone nur begrenzt etwas. In Flüchtlingskrisen werden Auffanglager oft in Gebieten eingerichtet, die bisher nur sehr dünn besiedelt waren. Daher kommt es dort oft zu einer nur sehr schwachen oder gar keinen Netzabdeckung. Selbst wenn wir genug Netz für mobiles Netz vorfinden, brauchen die Reporter Geld, um den Internetzugang zu finanzieren. Wir sollten nicht davon ausgehen, dass schon von irgendwoher kommt. Strategische Partnerschaften könnten hier greifen. Flüchtlingszelte haben in den seltensten Fällen einen Stromanschluss und das Smartphone ist nicht mit herkömmlichen Batterien betriebsbereit. Auch hier steht der konventionelle mp3-Rekorder im Vorteil.

Der Indikator sollte nicht mehr sein: Wem haben wir mobile reporting beigebracht und wieviele Reporter sind mit Smartphones ausgerüstet. Stattdessen: Was haben sie damit schon produziert. Wir sollten also immer abwägen, womit wir arbeiten: Smartphone und mobile reporting oder macht doch der mp3-Rekorder mit Schnittcomputer mehr Sinn. Das alte Digital wird so zum Neuen analog.

 

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